Geschenke, die auf keiner Wunschliste stehen
Wunschlisten sind ein merkwürdiges Genre. Drauf steht, was sich leicht sagen lässt: ein Buch, ein Gutschein, „irgendwas für die Küche“. Was die Person wirklich will, steht da nicht, und mit Bescheidenheit hat das wenig zu tun. Sie müsste es aufschreiben, und aufschreiben heißt zugeben.
Warum die guten Wünsche nie auf der Liste landen
Wer sich etwas wünscht, das eine Lücke schließt, muss die Lücke erst benennen. „Ich hätte gern den Führerschein“ heißt übersetzt: Ich hab keinen. Mit 42. So was erzählt man nicht am Kaffeetisch, und woanders auch nicht. Also landet das Buch auf der Liste.
Und so bekommt die Person Bücher, jahrelang. Der Wunsch, um den es eigentlich geht, bleibt in der Schublade. Da liegt er seit sechs Jahren und wird jeden Januar kurz rausgeholt.
Wenn du diese Schublade aufmachst, schenkst du den Anfang von etwas, das sich die Person selbst nie gegönnt hat. So ein Geschenk ist eine ÜberraschungErlaubnis.
Der Test: Wenn du das Geschenk beschreibst und die Person sagt „das wollte ich schon immer mal“ statt „oh, danke“, dann war es das richtige. Den Unterschied hört man sofort.
Fünf Geschenke, die niemand aufschreibt
1. Der Führerschein mit 42
Erwachsene ohne Führerschein gibt es öfter, als das Gespräch am Grill vermuten lässt, und mit jedem Jahr wird es peinlicher, davon anzufangen. Am Auto liegt es dabei selten. Meistens ist es die Vorstellung, im Theorieunterricht zwischen lauter Achtzehnjährigen zu sitzen.
Schenk die ersten Fahrstunden und such gleich eine Fahrschule raus, die Kurse für Erwachsene anbietet. An dieser Recherche scheitert es nämlich öfter als am Geld, und die hast du dann schon erledigt.
2. Schwimmen lernen als Erwachsener
Erwachsene Nichtschwimmer reden nicht darüber, sie weichen aus. Der See ist ihnen zu trüb, heute bleiben sie lieber auf der Liege, und die Badesachen sind leider noch zu Hause. Das geht zwanzig Jahre so, und jede einzelne Ausrede klingt vernünftig.
Viele Schwimmbäder bieten Kurse für Erwachsene an, oft in geschlossenen Gruppen und außerhalb der normalen Öffnungszeiten, gerade weil das Publikum das Problem ist und nicht das Wasser. Mit einem bezahlten Kurs und dem Satz „Da sind nur Erwachsene, keine Kinder“ ist die größte Sorge schon vom Tisch.
3. Der Flug, der seit Jahren verschoben wird
Mit Flugangst geht kaum jemand hausieren. Statt „ich trau mich nicht“ heißt es, im Sommer sei es eh zu voll, oder man fahre dieses Jahr lieber mit dem Auto. Der Grund bleibt seit Jahren derselbe, nur die Begründung wechselt.
Traurig ist dabei weniger die Angst als die Reise, die nie stattfindet: die Hochzeit auf Kreta, die Enkel in Kanada, das Japan, von dem seit dem Studium die Rede ist. Mit einem Kurs gegen Flugangst schenkst du im Grunde diese Reisen.
Es gibt gute Kurse online und vor Ort. Manche Krankenkassen übernehmen einen Teil, also vor dem Bezahlen kurz nachfragen.
4. Ein Abend, an dem niemand „Mama“ ruft
Eltern kleiner Kinder wünschen sich das nie laut, weil es klingt, als würden sie sich über die eigenen Kinder beschweren. Darum geht es gar nicht. Sie sind nur seit vier Jahren nicht mehr in Ruhe zu Ende essen gekommen.
Ein Restaurantgutschein hilft da wenig. Davon haben sie schon drei, alle ungenutzt. Das Geschenk ist die Betreuung, also ein festes Datum und jemand, der an dem Abend wirklich auf die Kinder aufpasst. Wer nur den Gutschein schenkt, schenkt Organisationsarbeit mit Vorspeise.
5. Das kaputte Lieblingsstück, endlich repariert
Fast jeder hat so ein Ding: die Jacke mit dem gerissenen Reißverschluss, die Uhr der Großmutter, die seit Jahren steht, den Ring, der nicht mehr passt. Zum Wegwerfen zu schade, zum Hinbringen zu umständlich. Also liegt es in der Schublade, und jedes Mal, wenn man sie aufzieht, meldet sich kurz das schlechte Gewissen.
Nimm es mit, lass es beim Schneider, Uhrmacher oder Goldschmied reparieren und gib es zurück. Das kostet oft weniger als ein mittelmäßiges Parfüm und schlägt jedes neu gekaufte Stück, weil es das alte ist.
Die eine Regel: Einladung, nicht Diagnose
Alle fünf Geschenke haben dieselbe Sollbruchstelle. Sie rühren an etwas, das die Person an sich selbst nicht besonders mag. Deshalb kann jedes davon kippen, vom schönsten Geschenk des Jahres zum Vorwurf mit Schleife. Damit das nicht passiert, helfen drei Dinge:
Kein Ablaufdatum. Ein Gutschein mit Frist macht aus einem Geschenk eine Aufgabe mit Abgabetermin. Wenn der Kurs erst in zwei Jahren dran ist, dann eben in zwei Jahren.
Kein Publikum. So etwas überreicht man nicht vor vierzehn Leuten, die gespannt auf die Reaktion warten. Gib es vorher unter vier Augen, oder leg es einfach dazu, ohne es anzukündigen.
Kein „ich habe gemerkt, dass du …“. Das ist eine Diagnose, und Diagnosen schenkt man nicht. Der richtige Satz ist kleiner: „Du hast das mal erzählt. Ich hab daran gedacht.“ Mehr sollte man dazu auch nicht sagen.
Wie du rausfindest, welcher es ist
Meistens hat die Person es längst gesagt. Solche Wünsche kommen fast immer gleich verpackt: „Ich wollte eigentlich immer mal …“, dann ein kurzes Lachen, und schon geht es um etwas anderes. Merk dir, wovon da gerade abgelenkt wurde.
Fällt dir nichts ein, frag nach. Nur bitte nicht „Was wünschst du dir?“, darauf kommt bloß die Wunschliste. Besser ist zum Beispiel „Reist du gern, oder würdest du gern?“ Das „oder würdest du gern“ macht die Tür auf, und es passt an fast jede Frage: Kochst du gern, oder würdest du gern?
Und falls du gerade vor einem konkreten Geburtstag sitzt und keine Idee hast: Picky fragt dich das durch. Er ist frech, aber er hört zu.
Der beste Zeitpunkt für so ein Geschenk ist nicht der Vorabend
Fahrstunden, Kurse und ein Termin beim Goldschmied brauchen Vorlauf. Never Miss a Birthday sagt dir rechtzeitig Bescheid, damit du nicht um 21:47 Uhr an der Tankstelle stehst.
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Was schenkt man jemandem, der schon alles hat?
Etwas, das man nicht einpacken kann, zum Beispiel den Anstoß für eine Sache, die die Person seit Jahren vor sich herschiebt. Wer alles hat, hat trotzdem etwas offen, es steht nur auf keiner Liste.
Ist so ein Geschenk nicht zu persönlich?
Zu persönlich wird es, wenn es wie eine Diagnose klingt. Als Einladung formuliert und ohne Frist und Publikum überreicht, zeigt es vor allem, dass jemand zugehört hat.
Was ist, wenn die Person das Geschenk nie einlöst?
Dann ist es trotzdem angekommen. Verschenk es deshalb nie mit Ablaufdatum, sonst wird aus dem Geschenk eine Mahnung.
Woher weiß ich, was jemand aufschiebt?
Achte auf Sätze, die mit „ich wollte immer mal“ anfangen. Oder frag: „Reist du gern, oder würdest du gern?“ Danach nicht nachbohren, einfach zuhören.